Teuto360 – Der Wald in uns

Der Mensch lebt nicht im Wald, sondern in einer Beziehung zum Wald. Wir blicken in ihn wie in einen Spiegel und finden dort vor allem uns selbst. Der Wald wird in der Kunst und Literatur zur Metapher des menschlichen Unbewussten, des Undurchdringlichen, des Angst- und Rückzugsortes der Seele, zur magischen Stätte von Götterverehrung, innerer Verirrung, Einkehr und wilder Leidenschaft. Bei den Deutschen findet dieses Bild eindringlicher Suche nach Identität, nach Verwurzelung und Heimat besonders im Teutoburger Wald seine imaginierte Wirklichkeit.

Teuto360 – Der Wald in uns.

Die Sagengestalt der Wildleute (lateinisch auch „silvani“, die Waldelben) taucht in mittelalterlichen Erzählungen, Wappen oder Stichen als halbmenschliches Wesen auf. Ausgestattet mit Zottelfell, urwüchsiger Kraft, gewalttätiger Gesinnung und roher, sexueller Energie, stellt der wilde Mann ein unerlöstes Bindeglied zum Tier, zur wilden Bestie dar. Die letzten Wilden Männer in Bielefeld wurden um 1880 am Jostberg gesehen.

“Am dritten Tag erschafft Gott die Pflanzen und am vierten Tag werden die Himmelskšörper am Gewöšlbe des Himmels angebracht.”
Genesis, 1. Buch Mose.

Tacitus hat den Norden ungestalt gescholten. Er meint damit nicht nur den vielen Nebel und die lange Dämmerung, er empfindet, daß hier nicht jede Gestalt sonnenklar vor dem Auge steht, daß das Wesentliche hier überhaupt nicht die Gestalt ist, sondern das, was zwischen dem Gestalteten lebt und es umwebt. […] Das aber ist das Waldweben, das Raunen und Rauschen zwischen den Wipfeln, das Dämmern zwischen den Stämmen, das unsichtbare, nur ahnbare Leben und Wachsen insgesamt.“
Hans Weigert, Geschichte der deutschen Kunst

Der personifizierte Waldgott ist heute ein Förster, ein Jäger oder ein Waldbesitzer. Waldgötter sind nicht menschenähnlich, sondern die Waldbesitzer sind gottähnlich. Sie verkörpern heute weitgehend die antike Vorstellung, die sich Menschen von willkürlich und machtvoll handelnden Gottheiten machten.

„Jeanny, komm, come on Steh’ auf bitte. Du wirst ganz nass. Schon spät, komm, wir müssen weg hier, raus aus dem Wald.“
Falco, Jeanny

Silvae horridae germaniae

„Wälder bedecken das ganze Germanien, sie verbinden die Kälte mit dem Dunkel.”

Plinius der Ältere

Der Teutoburger Wald gilt seit der Romantik als deutsche Seelenlandschaft. Wälder wurden zur Metapher von Wildheit und imaginierter Natur. Doch schon in der Renaissance um 1500 wurde der Wald zur Ikone der Deutschen, die ihre Identität eng mit dem Wald verknüpft sahen und ihn, als er durch Rodungen beinahe verschwunden war, zu einem idealisierten Bild seiner selbst werden ließen, das bis heute fortbesteht. Davon handelt mein 360° Fotorundgang “Teuto360 – der Wald in uns.”

Eröffnung: 01. Juni 2019

Save beauty everywhere III.

Wir können die Welt nur aufgrund von Wahrnehmung und Vernunft erkennen, sagte Immanuel Kant. Allerdings wird unsere Wahrnehmung oft durch Muster und Gewohnheiten bestimmt. So scheint es mir vernünftig, sich nicht an Wahrzunehmendes oder die Wahrnehmung selbst zu gewöhnen.

OSTSEE – VERBORGENE FRACHT / BALTIC SEA – HIDDEN CARGO

>>>Ausstellung im Kloster Rehna vom 20. April – 31. Mai 2019.<<< 

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Ostsee – verborgene Fracht erzählt nicht nur von verborgenem Müll, sondern vor allem von der Psychologie der Wahrnehmung und den Abgründen menschlicher Gewohnheiten. Neben der Geste der unbekümmerten Entsorgung von allerlei Schadhaftem ist es die Schönheit der Ostsee selbst, die in diesem Konflikt eine feste Größe darstellt. Das “Making of” und der Film “Größer als alle Vernunft”, in dem die Kunsthistorikerin Prof. Dr. Anna Zika der FH Bielefeld begleitend zur Ausstellung Aspekte der ästhetischen Kategorie des Erhabenen in den Fotografien von Marcus Wildelau erläutert, vertiefen die Betrachtung dieser rätselhaften Paradoxien im Umgang des Menschen mit der Natur.

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Baltic Sea – hidden cargo. I am working on a serious and dedicated photographic portrait of the Baltic Sea. The Baltic Sea is a small and young ocean which arose 10.000 years ago. It extends from Germany to Finland, Sweden and Russia. The Baltic Sea is very popular with tourists who love sailing, swimming or eating fresh seafood. But there is also an unpopular story about it. The sea is quite polluted and carries some irregular and critical cargo since it is surrounded by highly industrialized countries. I want to tell a story of the hidden dangers and secret dumping grounds in the Baltic Sea. A story of human beings who didn´t and don´t care about questioning their habits in order to preserve wildlife and nature. How can we forget about it? Because the trash is invisible. It is hidden in the sea. Out of sight, out of mind. I want to show what people do not like to see. But I won´t dive to muddy grounds or slippery caves. I stay on the surface at the coast and watch out for a special picture. A picture in your mind.

In der mare Ausgabe 123 08/2017 „Sand“ wurden einige der Bilder und Texte veröffentlicht sowie in der PHOTONEWS vom April 2018. 

teuto360 Stille


„Die Stille ist´s, die überlebt,
Dem Baum, der schweigt, ist tiefer zu vertrauen.
Als allen Redensarten
Als allen Zungen, die sich laut vermischen,
Es ist die Stille, die zur Kunst entfacht,
Geschichte macht,
Solang, bis wir den Schmerz von unsren Stirnen
Wischen.“

Hanns Dieter Hüsch